Thermische Spannung
Heiße Flüssigkeiten, schnelle Temperaturwechsel oder sehr heißes Spülen können Spannungen zwischen Glasur und Scherben auslösen.
Warenkunde Keramik & Porzellan
Craquelé bezeichnet ein feines, netzartiges Rissbild in keramischen Glasuren. Was zunächst wie eine rein optische Veränderung wirkt, kann die hygienische Nutzung von Geschirr erheblich beeinträchtigen.
Als Craquelé, Krakelee oder Craquelérisse bezeichnet man ein maschenartiges Netz aus feinen Rissen, Haarrissen oder Sprüngen in der Glasur keramischer Artikel. Diese Risse befinden sich in der Glasurschicht und können sich mit zunehmendem Gebrauch weiter ausbilden.
Anfangs sind Craquelérisse oft nur bei genauer Betrachtung sichtbar. Später können sich die feinen Linien dunkler verfärben, weil Flüssigkeiten, Farbstoffe und Fremdstoffe in die Rissstruktur eindringen. Besonders Tee, Kaffee, Gewürze und färbende Speisen können solche Risse optisch deutlich hervorheben.
Die Ursache liegt in unterschiedlichen Spannungen zwischen dem keramischen Scherben und der darüberliegenden Glasur. Beide Materialien reagieren nicht immer gleich auf Temperaturveränderungen. Erwärmen oder Abkühlen sie sich unterschiedlich schnell, entstehen Spannungen in der Verbindung zwischen Scherben und Glasur.
Wird ein keramischer Artikel beispielsweise mit siedenden Getränken befüllt oder bei Temperaturen von über 80 °C nachgespült, kann eine thermische Belastung entstehen, der das Material auf Dauer nicht gewachsen ist. Der Scherben ist poröser als die Glasur und erwärmt sich langsamer. Die Glasur dehnt sich schneller aus, während der darunterliegende keramische Körper verzögert reagiert.
Durch diese unterschiedlichen Ausdehnungen kann die Verbindung zwischen beiden Schichten überlastet werden. Die Folge sind feine Glasurrisse, die sich mit der Zeit zu einem sichtbaren Craquelé-Netz entwickeln.
Heiße Flüssigkeiten, schnelle Temperaturwechsel oder sehr heißes Spülen können Spannungen zwischen Glasur und Scherben auslösen.
Keramischer Scherben und Glasur besitzen unterschiedliche physikalische Eigenschaften und dehnen sich bei Wärme nicht immer gleichmäßig aus.
In den feinen Rissen können sich Flüssigkeiten, Farbstoffe und Fremdstoffe ansammeln. Dadurch kann die hygienische Nutzung beeinträchtigt werden.
Mit zunehmendem Gebrauch können sich die feinen Haarrisse vergrößern. Dadurch entstehen kleine Furchen, Spalten und Flächen, in denen sich Rückstände sammeln können. Diese Ablagerungen lassen sich häufig nicht mehr vollständig aus der Glasurstruktur entfernen.
Besonders Getränke wie Tee und Kaffee hinterlassen in Craqueléglasuren oft unschöne Verfärbungen. Die Risse können dunkler erscheinen und der Artikel verliert seine optische Klarheit. Noch wichtiger ist jedoch die hygienische Bewertung: Wenn Flüssigkeiten und Fremdstoffe in die Risse eindringen, ist eine einwandfreie Darreichung von Speisen und Getränken nicht mehr sicher gewährleistet.
Geschirr mit deutlich ausgeprägten Craquelérissen sollte daher nicht weiter für die hygienische Darreichung von Lebensmitteln verwendet werden.
Keramische Artikel sollten nicht abrupt von kalt auf sehr heiß oder von heiß auf kalt gebracht werden. Solche Temperaturwechsel erhöhen die Materialspannung.
Das direkte Einfüllen sehr heißer oder siedender Getränke kann empfindliche Keramikglasuren belasten und die Bildung von Craquelérissen begünstigen.
Nachspülen oder Reinigen bei Temperaturen über 80 °C kann bei geeigneten Keramikarten zu thermischer Überlastung führen.
Sobald Craquelérisse deutlich sichtbar sind oder sich verfärben, sollte der Artikel aus hygienischen Gründen nicht weiter für Speisen und Getränke genutzt werden.
Als Faustregel gilt: Je geringer die Brenntemperatur, desto höher das Risiko von Craquelérissen. Keramik wird in der Regel bei niedrigeren Temperaturen gebrannt als Hartporzellan. Dadurch unterscheiden sich Dichte, Wasseraufnahme und Spannungsverhalten des Scherbens deutlich.
Hartporzellan wird bei mindestens etwa 1.350 °C gebrannt. Durch diese hohe Brenntemperatur entsteht ein sehr dichter Scherben mit hoher physikalischer Stabilität. Die Glasur und der Porzellankörper sind dadurch deutlich besser aufeinander abgestimmt. Deshalb ist echtes Hartporzellan im normalen Gebrauch grundsätzlich nicht anfällig für Craquelérisse.
Bei Keramik hingegen kann der Scherben poröser sein und anders auf Wärme reagieren als die Glasur. Diese Materialeigenschaft erklärt, warum Craquelé typischerweise bei keramischen Artikeln auftritt und nicht als klassischer Porzellanfehler zu bewerten ist.
Im Namen vieler Hersteller von Keramik für Tisch und Tafel lässt sich festhalten: Craquelérisse sind nicht zwangsläufig ein ursprünglicher Mangel der Ware. In vielen Fällen handelt es sich um eine materialbedingte Abnutzungserscheinung, die durch Gebrauch, Temperaturbelastung und die natürlichen Eigenschaften keramischer Glasuren entsteht.
Entscheidend ist jedoch der Einsatzbereich. Für dekorative Keramik kann Craquelé sogar ein bewusst eingesetzter Gestaltungseffekt sein. Für Geschirr, das mit Lebensmitteln in Kontakt kommt, sind ausgeprägte oder verfärbte Craquelérisse kritisch zu bewerten, weil sie die hygienische Nutzung beeinträchtigen können.
Craquelérisse entstehen durch Spannungen zwischen keramischem Scherben und Glasur. Besonders thermische Belastungen, hohe Spültemperaturen und abrupte Temperaturwechsel können die Bildung solcher Haarrisse begünstigen.
Bei Keramik sind Craquelérisse meist eine materialbedingte Abnutzungserscheinung. Sobald die Risse jedoch sichtbar, verfärbt oder deutlich ausgeprägt sind, sollte der Artikel aus hygienischen Gründen nicht mehr zur Darreichung von Speisen oder Getränken verwendet werden.
Echtes Hartporzellan ist aufgrund seiner hohen Brenntemperatur und dichten Materialstruktur im normalen Gebrauch nicht anfällig für Craquelérisse.
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